Sebastian Forkarth – Ma’ale Adumim

Diplomarbeit von Sebastian Forkarth. Preisverdächtig!:

Die jüdische Siedlung Ma’ale Adumim liegt auf einer Hügelkuppe wenige Kilometer östlich Jerusalems außerhalb der Grünen Linie – jener Grenze die seit dem Sechstage Krieg im Jahr 1967 Israel und das vormals jordanische Westjordanland trennt. Seit der Gründung Ma’ale Adumims durch eine Handvoll Pionier Familien im Jahr 1975 ist die Bevölkerungszahl auf 39.000 angewachsen was Ma’ale Adumim mit 40km2 zur flächenmäßig größten Siedlung im Westjordanland macht.
Werbeanzeigen und Anwohner preisen den Ort als „eine schöne, saubere Stadt“ die innerhalb der israelischen Gesellschaft als „Nachbarschaft“ oder „Quality of Life Settlement“ akzeptiert ist. Diese Umschreibungen fassen Ma’ale Adumims vorstädtischen Charakter präzise zusammen. So verfügt es über zahlreiche Parks und Erholungsgebiete, eine Bibliothek und ein eigenes Einkaufszentrum. Staatlich subventioniert ist es möglich hier ein Haus mit rotem Dach und eigenem Garten zum Preis einer kleinen Wohnung in Jerusalem oder Tel-Aviv zu kaufen. Die Integration Ma’ale Adumims in das Infrastruktursystem Jerusalems sichert die Verknüpfung mit dem israelischen Kernland. Gleichzeitig sorgen Vorgaben die beim Bau zur Verwendung des regionalen „Jerusalem Stone“ verpflichten dafür, dass Ma’ale Adumim auch optisch mit Jerusalem verbunden oder gar als natürlicher gewachsener Vorort wahrgenommen wird.
Hinter der Fassade des architektonisch manifestierten Versprechens eines qualitativ hochwertigen Lebensraumes für die Einwohner Ma’ale Adumims dient der Ort politischen wie militärisch strategischen Zielen. So reiht er sich ein in ein Netz aus rund 100 Siedlungen und weiteren Außenposten die sich auf das israelisch besetzte Westjordanland verteilen und Israel über sein international anerkanntes Staatsgebiet hinaus erweitern. Dabei setzt sich die Architektur der Siedlungen über bestehende Grenzen hinweg und definiert die Besitzverhältnisse durch ihre Existenz scheinbar unwiderrufbar neu.
Als Folge dessen existieren zwei verschiedene ethnische Gruppen auf ein und dem selben, allein durch die Vertikale von einander getrennten, Gebiet. Die jüdischen Siedler oberhalb auf den Hügeln, dazwischen die Palästinenser, die traditionell an den Hängen und in den Tälern des Westjordanlandes leben.
Zäune, Sicherheitsstraßen, Checkpoints und Militärposten sichern die jüdische Exklusivität der Siedlungen und schaffen den Ausschluss von rund 2 Millionen Palästinensern.
Parallel zur Enteignung des Landes bietet die Positionierung auf den Hügelkuppen den Siedlern die Möglichkeit jenes Land zu überblicken, dass als Judäa und Samaria – der biblisch überlieferten Wiege des Judentums – tief im kollektiven jüdischen Gedächtnis verankert ist. Die Romantik, die die Aussicht zunächst ausstrahlt, wird im Kontext des Nahost Konfliktes verkehrt. Die Planung der Siedlungen folgt der natürlichen Topographie der Hügel wodurch die Reihen der Wohnhäuser auf jeweils höher gelegenen Ringen positioniert werden. Dies bewirkt eine Maximierung der Aussicht und damit auch der Kontrolle. Siedlungen werden zu zentralen Späh- und Meldeposten und versprechen Schutz der eigenen Infrastruktur und des israelischen Staates sowie Kontrolle und Überwachung „feindlicher“ Aktivität der arabischen Nachbarn inner und ausserhalb des Westjordanlandes. Auf diese Weise wird die Sicht funktionalisiert und der Bevölkerung eine militärische Aufgabe auferlegt die sich mit dem öffentlichen wie auch privaten Alltag vermischt

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